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Neu – mein Blog jetzt auch mit meinem Baum ;-)

So, als guter Mensch hat man zwar schon den einen oder anderen Baum gepflanzt (oder auch umgesägt), jetzt bekommt mein Blog aber auch einen Baum.
Find ich gut.
Klimaneutrales Blog sozusagen.
Gefunden habe ich die Aktion beim Twittern (ja, das mach ich auch, kann ich aber nicht empfehlen, kostet viel zu viel Zeit!).


CO2-neutral - Einkaufen und Angebote bei kaufDA.de

Ich finde der kleine grüne Button steht dem kleinen grünen Paraguay-Blog auch richtig gut!
Willst Du auch machen? Click den Button 😉

Jagdgeschwader Kolibri

Da auch der heutige Tag im Zeichen des Shoplaxing stand, musste man sich etwas Programm ausdenken.
Tina startete mit einer Reitstunde – ihrer zweiten hier und in ihrem Leben. Als Naturtalent machte sie dabei eine gute Figur.

Ich hingegen rüstete die Kamera um und nahm mit dem EF 100-400 IS sowie einem 2-fach Telekonverter samt Einbeinstativ die Jagd nach den hiesigen Kolibris auf.
Vor einem Busch auf die Lauer gelegt kam nach geschlagenen eineinhalb Stunden ein Kolibri vorbei um zu schauen ob der Busch noch da ist. Anscheinend hatte der Rest der Truppe Familienfeier an einem anderen Busch…
Nach zwei Stunden endlich kam ein Opfer vorbei und prompt ging das Geschiesse los. Hat sich das Warten bei „nur“ 32 Grad doch noch gelohnt.

Da es dann wegen des zunehmend bewölkten Himmels noch etwas weiter abkühlte, sind wir zum berühmten Petirossi-Markt, einem Gebiet in dem neben Strassenständen auch Gebäudeteile als Markt umfunktioniert sind.
Dort gibt es bis auf Motorräder und Autos eigentlich alles was man sich denken kann, von Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Kleidung, Schuhen, Plastikwaren, Brautkleidern, Schmuck, Uhren, CDs und DVDs, Enten- und Hühnerküken, lebende Schildkröten, Goldhamster, Autoersatzteile, nun ja, halt alles quer Beet.

Im Sommer sind besonders die überdachten Bereiche mit Fisch und Fleisch nur für härtere Nasen geeignet.
Die Rinderherzen hängen offen und ungekühlt an der „frischen“ Luft und haben schon eine merkliche Haut. Die Schweine- und Ziegendärme sind aufgeblasen in den oberen Etagen der Stände zu finden.
Zwei Paraguayos waren von meiner Kamera mit dem nicht kleinen EF 35-350 mm L derart angetan, dass sie vor der Kamera posierten und dringend abgelichtet werden wollten – was sie nicht wissen ist, dass sie jetzt im Internet sind…

Nach dem Einkauf für den abendlichen Salat und ein paar Trockenbohnen und Kaa Hee – auf Deutsch: Stevia – für zu Hause wurde der Rückweg durch den Feierabendverkehr angetreten und der Relaxanteil des Tages mit einer Stunde im Pool weiterverfolgt.

Kriegserinnerungen

Der blutigste Krieg Südamerikas.
Der Krieg, der dazu führte, dass Paraguay vom Status einer Grossmacht der Region zum Entwicklungsland zurückfiel.
Der Krieg, der das Land 50% seiner Fläche kostete, die an Argentinien und Brasilien fiel.
Der Krieg, der über 90% der paraguaischen Männer und insgesammt ca. 77% der Bevölkerung das Leben kostete.
Dieser Krieg ist bekannt unter dem Namen „Tripel-Allianz-Krieg“. Paraguay als Grossmacht half Uruguay, das von Argentinien und Brasilien angegriffen wurde. Diese Hilfe war teuer und da innerhalb von Uruguay die bestehende Regierung sich nicht halten konnte fiel das hilfesuchende Land unter neuer Leitung dem Hilfegeber mit den zwei anderen Kriegsparteien in den Rücken.
Eines der Denkmale die an diesen Krieg erinnern ist Vapor Cue. Ein Nationalpark, der mit Hilfe Spaniens unter den Diktaturen von Stroessner und Franco errichtet wurde.
War er früher schwer zu erreeichen, führt heute eine komplett asfaltierte Strasse bequem hin. Dort angekommen erwartet einen eine kleine Sandstrasse an der die Reste der sechs dort im Krieg versenkten Boote ausgestellt sind. Sie wurden versenkt, damit sie nicht den Kriegsgegnern in die Hände fallen. Die hölzernen Boote wurden auch noch angezündet, so dass heute von diesen vier nur noch die Dampfkessel und einige Planken ausgestellt sind. Die Metalldampfsegler waren noch besser erhalten und sind teilweise „restauriert“ – wenn man das pure Annieten von Metallplatten als Restauration bezeichnen will.
Die Reste der Kriegsflotte eines Binnenlandes, und um so mehr ein Wunder, wenn man die geringe Grösse des Flusses zur Grösse der Boote bedenkt. Zu jedem der Boote finden sich die relevanten Informationen auf einer Tafel.

Daneben existieren inzwischen Freizeitanlagen wie Grillstellen, Tische und Bänke, die von den Einheimischen auf gerne genutzt werden. Die zumindest bei Niedrigwasser wie wir es aktuell haben teilweise malerischen kleinen Strände sind so beliebt, dass aus dem nächsten Ort die Jugendlichen 5 km zu Fuss zum Baden hergelaufen kommen.
Auch bei den Tieren ist das Flussufer mit den Stränden beliebt, so sieht man Kühe im Fluss baden und am Ufer trinken jede Menge Vögel.

Gestern statteten wir also diesem Kriegsdenkmal einen Besuch ab und wollten anschliessend im daneben gelegenen Hotel Vapor Cue eine Erfrischung zu uns nehmen – siehe da, es war in der Hauptsaison geschlossen. „Wegen Renovierungsarbeiten“ wobei man allerdings jegliches Vorhandensein von Baumaterialien oder Arbeitern ausschliessen konnte. Also wohl eher „wegen Reichtums“ geschlossen.

Da hiess es dann weiterfahren nach Caacupe und der dritte Anlauf dort eine Internetbekanntschaft zu besuchen klappte schlussendlich. Wir tranken ein paar Biere im Hotel Asuncion neben der Kathedrale, bevor wir zu ihnen nach Hause gefahren sind.
Wer erstmal 24 Jahre in Paraguay lebt und keinen deutschen Pass mehr hat, der hat etwas zu erzählen. Und trotz der langen Zeit im Land merkt man immer noch die Begeisterung, die sie für Paraguay haben. Nicht nur wegen der derzeitigen Kälte in Deutschland könnten sie es sich nicht mehr vorstellen zurückzugehen.
Wenn man sich den Ort Caacupe anschaut, kann ich dies verstehen. Obwohl Provinzhauptstadt mit entsprechendem Verkehr ist dieser aus der Stadt gut herausgeleitet und der Ortskern um die berühmte Kathedrale ist herrlich ruhig gelegen. Dazu die hügelige Landschaft mit dem vielen Grün, einigen kleinen Flüssen und Bächen, da kann man schon mal „kleben bleiben“.

Da wir aber noch eine Station besuchen wollten haben wir das gastliche Haus dann auch irgendwann verlassen und uns auf den Weg nach Tobati gemacht. Tobati ist das landesweite Zentrum der Ziegelherstellung, die alle in holzbefeuerten Öfen gebrannt werden. Daneben ist Tobati bekannt durch ein „Künstlerdorf“, eine kleine Handwerkeransiedlung mit gemeinsamer grosser Ausstallungs- und Verkaufshalle wo man von Kitsch über attraktives Kunsthandwerk bis komischerweise zum Pick-Up-Motorrad (wohl für die Dorfbewohner) alles erstehen kann.
Daneben ist Tobati durch die Skulpturen dreier Köpfe sowie eine 500 Millionen Jahre alte Steinformation bekannt, die recht skurril geformte Teile aufweist.

Von dort ging es im direkten Weg über die Nordschleife (Emboscada, Limpio) und eine Polizeikontrolle (PYG 260.000 – ca. € 40.- – wegen Überholens im Überholverbot – ich bin schon zu gut aklimatisiert) zurück zur Unterkunft.

Tschacka, Du schaffst es – Chaco, manche schaffen es nicht

Gestern ging es in den unteren Chaco.
Zum Start sind wir direkt vor der Zahlstelle der Remanso-Brücke rechts abgebogen und haben dann die zweite links genommen um zum Rio Paraguay und „den Fischweibern“ zu kommen. Dort sitzen direkt am Fluss etliche Frauen und verkaufen frischen Fisch. Kommt man als anscheinlicher Interessent, wettereifern sie miteinander um den Kunden, der ja meist nur einen kapitalen Fisch kauft.
Da sie angeblich manchmal bei Kameras nicht gerade freundlich reagieren habe ich auf das Ablichten verzichtet, aber an Fang gab es:
– Doradas (Salminus hilarii / brasiliensis)
– Schwarzer Pacu (Colossoma macropomum)
– Roter Piranha (Pygocentrus nattereri)
– Sorubim (Pseudoplatystoma corruscans)
– Raubsalmler (Hoplias malabaricus)

Nach einer Erfrischung ging es dann über die Brücke in die Weite des Chaco. Zunächst kamen zwei Orte, einer davon Villa Hayes, die Bezirkshauptstadt. Diese hinter sich lassend folgen Kilometer um Kilometer an meist lange geradeauslaufenden Strassen. Ab und an eine Brücke, gelegentlich ein Rancheingang. Selten sah man Indianersiedlungen und einige wenige Indianer. An drei Indianer“hütten“ waren vorne ein kleiner Verkaufsstand mit Palmflechtwaren – auf dem Rückweg hielten wir an jeder dieser Hütten an und kauften eine Kleinigkeit, damit für die jeweiligen Familien die nächsten Tage gesichert sind. Auch wenn diese Familien unter einfachsten Bedingungen leben und nach unseren Verhältnissen „nichts“ haben, so sind auch die Ansprüche gering mit mit einem solchen Einkauf kommen sie wieder etwas weiter, auch wenn eine Flechttasche oder -Schale nur € 3.- und ein Fächer € 1,50 kostet.

Neben der Strasse reihte sich weitläufige Viehweide an die nächste, der nächste „Ort“ hingegen wurde erst nach ca. 60 km erreicht und somit, was in Paraguay ein limitierender Faktor sein kann, auch die nächste Gomeria. Zum Glück benötigten wir keine.
Den Endpunkt legten wir vorher auf den Rio Negro fest – den in Paraguay, nicht den im Amazonasbecken.
Damit hat unsere Tour mit ca. 200 km Distanz die maximale Ausdehnung erreicht gehabt.

Dann ging es wieder zurück, nicht nur weil nach Rio Negro die Strasse deutlich schlechter wird (bis dahin waren sie besser als erwartet, teils wird sie frisch gemacht) – obwohl das nur ein kurzes Stück sein soll.
Auf dem Rückweg habe ich dann deutlich mehr Vollbremsungen hingelegt um die Vögel der Region oder andere Tiere abzulichten.

Wieder über die Brücke haben wir noch versucht eine Internetbekanntschaft zu besuchen, aber leider war niemand zu Hause. Also waren wir dann nach insgesammt ca. 420 km und knapp 7 Stunden wieder in unsere Unterkunft eingekehrt um uns am Pool zu erfrischen.

Allgemein fand ich den Chaco im vorderen Bereich viel grüner und weniger lebensfeindlich als ich gelesen habe. Allerdings ist das ja auch der Chaco in der Nähe des Flusses und nicht in dem Bereich, in dem die Kakteen die Macht übernehmen…

Brasilien: tragischer Tod an den Wasserfällen von Iguazu und Tausende sehen weg!

Gestern sind wir zu den Wasserfällen in Iguazu gestartet.
Nach knappen 3 Stunden waren wir dort und haben uns gleich ins Getümmel gestürtzt.
Etwas entäuschend war dann der Blick auf die in der inzwischen lang andauernden Trockenzeit kaum zu erkennenden Wasserfälle.

Und dafür kommen die Leute über Hunderte von Kilometern gefahren?
Übertreten Ländergrenzen…
Zahlen die nicht zu verachtende Summe von € 7.- an Eintritt und quälen sich in schwühler Hitze Treppen hoch und runter?
Das kann nicht sein!

Ist auch nicht…

Auf der argentinischen Seite sieht man auch jetzt noch imposante Gischt aufsteigen, auf der brasilianischen Seite ist niemand auf den Stegen mit Regenmantel bewaffnet, weil zum Einen bei der Temperatur das bisschen Gischt erfrischend ist und zum Anderen die Menge nicht so gross ist, dass man z.B. kein Kameraobjektiv mehr wechseln könnte.

Aber zurück zum eigentlichen Titelthema…
Kaum an den Wasserfällen angekommen konnte ich Zeuge eines Todesfalles werden, den anscheinend keiner der anderen Besucher bemerken wollte.
Jegliche Rettungsversuche unterblieben.
Es gab keine Schreckensrufe.
Deshalb hier die fotografische Dokumentation des Todesfalles, oder korrekterweise muss man Mordfall sagen, denn es gab einen eindeutig identifizierbaren Täter, der freien Fusses davon kam.

Tod in Iguazu

Wie eindeutig zu sehen ist bringt ein Kormoran (Phalacrocorax spec.) einen Schilderwels (Plecostomus spec. – übrigens einer der wenigen Bewohner der strömungsreichsten Gewässer in den Wasserfällen) um, einzig und allein um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Ein typischer südamerikanischer Raubmord!

Nun ja, nachdem ich mich vom Tatort entfernt habe blieb nur ein letzter Versuch die vorgeschoben unbeteiligten Herumstehenden – deren Zahl an die Hunderte geht – für die Polizei festzuhalten, damit diese befragt werden können, als wir mit dem Vorfall jedoch bei der Polizeiwache auftauchten ernteten wir nur staunende Gesichter. Vermutlich haben sie noch nie einen fotografierenden Biologen erlebt, aber irgendwann ist immer das erste Mal.

Auf dem Rückweg haben wir dann mal die Freundschaftsbrücke in Betrieb – einer der Hauptschmuggelwege für Kleinschmuggler zwischen Paraguay und Brasilien – fotografisch dokumentiert.
Und gleich hinter dem paraguayischen Zoll erfolgt die Begrüssung der einreisenden Brasilianer, die daran erinnert werden, warum sie die Grenze übertreten haben: weil hier alles billiger ist und sie ihre Reales bitteschön dalassen.