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Wahresjechsel

Pünktlich zum Jahreswechsel, der auch hier mit Geböller gefeiert wird steigt in unserem Hotel eine kleine Party. Im Gegensatz zum Rest des Landes begann unsere Party bereits um 20 Uhr – alle anderen Partys steigen erst nach Mitternacht und vorher ist der Ort ruhig.

Es gab neben anderen Leckereien ein Schaf vom Grill, natürlich vorher zerlegt, sowie andere Fleischlichkeiten. Die Schafskeulen waren herrlich und das Schaf eine Spende von einem frisch verheireteten Paar Deutschland-Paraguay-Pendler aus dem benachbarten Biebesheim.
Bei uns nach dem Essen wurde fleissig gebechert um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen. Die Gastgeber servierten gelegentlich Runden mit wechselnden Kostümen.

Da ich mich als erster um 1:30 ausklinkte kann ich leider keinen Fotobeweis liefern wie einer der Gäste der Tücke zum Opfer fiel, dass ihm kein guter Rutsch gewünscht worden war, denn er rutschte auf dem paraguayischen Eis heftig aus und stürzte.
Paraguaisches Eis ist eine temperturunabhängig heimtückische Mischung aus Bier, Wein, Sekt, Vodka und Zuckerrohrschnaps und führt auch hier zur Jahreswende sogar zu Verkehrstoten, wenn diese keine Winterreifen auf ihren Autos haben…

Damit unterscheiden sich die Jahreswechsel in Lateinamerika doch gewaltig!
Hier mal zum Vergleich:
Costa Rica: Man kommt in der Ortsmitte zusammen und um Mitternacht liegen sich wildfremde Menschen in den Armen und küssen sich ab um sich alles Gute für das neue Jahr zu wünschen.
Ecuador: In der Ortsmitte werden Pappmascheefiguren oder -szenarien mit den schlechten Ereignissen des vergangenen Jahres aufgebaut, die kurz nach Mitternacht verbrannt werden um die bösen Geister des vergangenen Jahres zu vertreiben.
Mexiko: je nach Region etwas unterschiedlich, aber in der Regel mit Geböller und den auch in Spanien bekannten 12 Weintrauben zu den Glockenschlägen um 12 Uhr. Als Besonderheit gibt es in der Provinz Quintana Roo (auf der Halbinsel Yucatan, und vermutlich auch anderen Provinzen) Alkohol nur bis 22 Uhr in den Läden zu kaufen, danach ist Sperrstunde, bzw. nur noch in Kneipen und Restaurants etwas zu bekommen.

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Königinnen

Wie schon angekündigt waren wir zu einer einheimischen Hochzeit eingeladen.

Das für uns merkwürdige war der Termin: 24.12. um 20 Uhr.

An der Kirche angekommen war die Weihnachtsmesse im Gang die um 20 Uhr begonnen hatte. Im Rahmen dieser Messe fanden dann au ch noch eine Taufe und zwei Hochzeiten statt. Wie wir nachher erfuhren ist es deutlich günstiger im Rahmen der Weihnachtsmesse zu heiratem – es kostet nur ein Drittel des normalen Preises, nämlich 50.000 Guaranies – rund € 7,50.

Für uns merkwürdig auch, dass sich an die Christmesse mit Taufe und Hochzeiten die Abrechnung der Gemeindekasse und Verkündung der Finanzplanung für das kommende Jahr folgte…

Nun ja, aus der Kirche raus hiess es das Haus der Brauteltern zu finden, in dem die anschliessende Feier stattfinden sollte. Da erwies es sich fast als Glück, das am Ende nur noch das Brautpaar alleine vor der Kirche war und wir sie kurzerhand zu uns ins Auto einluden – 6 Personen im Daewoo. So ging es dann über Lehmstrassen kreuz und quer in die äussersten Vororte Villaricas und irgendwann meinte die Fahrerin Magali dass hier der Wagen nicht mehr drüber geht und ab da ging es dann gefühlt Kilometerweit zu Fuss.

Irgendwann sind wir dann am – für hiesige Verhältnisse grossen – Haus der Eltern angekommen, drei Zimmer mit grossem Platz dahinter. Im Garten einige Tische an denen die Gäste nach und nach Platz nahmen und mit Limonade und Wein bewirtet wurden. Dabei übernahm das Brautpaar den grössten Teil der Bewirtung eigenhändig – wir haben uns gefragt, ob sie an dem Abend überhaupt zum Essen gekommen sind, aber wir haben bei unserer eigenen Hochzeit ja auch kaum etwas gegesen – die Familie half mit dem Rest. Zu essen gab es zunächst „Sopa Paraguaya“ entgegen dem Namen ein Brot aus Maismehl, Öl und Käse, später dann die Hauptspeise in Form von Hühnerschenkeln, Reis und wieder Sopa Paraguaya. Am Ende folgte dann noch ein Stück Hochzeitstorte, landestypisch seeeehr süss, und ein Glas Cidre.

Für uns auffallend und andersartig:

– die Stimmung. Alles war merkwürdig ruhig und es wurde sich nur sehr wenig unterhalten – ok, ruhig ist übertrieben, denn eine Musikanlage beschallte nach besten Kräften.

– die ersten Gäste gingen bereits bevor die Hochzeitstorte angeschnitten wurde.

– beim Hochzeitstanz wurde bereits nach wenigen Sekunden abgeklatscht.

– um Mitternacht fiel man sich in die Arme und knutschte sich ab – „Fröhliche Weihnachten und ein erfolgreiches Jahr 2009“ wurde überall gewünscht.

Wieder ein Brauch mehr den man kennengelernt hat.

Alles in allem wurden wir, obwohl nur Kurzzeittouristen, herzlich in die Familienfeier integriert und hatten viel Spass. Auch viel Spass hat uns nach der Rückkehr ins Hotel die Königin der Nacht gemacht, die voll erblüht war.

So gab es an diesem Tag zwei strahlende Königinnen, eine mit vielen Wurzeln und eine auf zwei Beinen…