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Individuell teuer

Während einer Telefonkonferenz dürfte ich gestern feststellen, dass man in den strandnahen All-Inclusive-Hotels 1. günstig schläft und 2. dabei auch noch voll verköstigt wird.
14 Tage AI bekommt man 5 km vom Flughafen entfernt bereits für €20.-/Tag. In der altstadt zahle ich für Übernachtung in der gleichen Kategorie mal eben €38.-/Tag. Verpflegung zusätzlich, und das sind bei meinen 5 l Wasser am Tag schonmal etliche Dollares bzw. Pesolitos nur für trinkbares Wasser. Von totem Tier mal ganz abgesehen.
Nun ja, eine Nacht drüber schlafen hab ich mir gedacht und heute morgen nach dem Angebot gesucht, pustekuchen, das Günstigste war auf einmal €25.-/Tag. Lag es an einem Cookie im Büro? also auch im Büro wieder gesucht – nein, vom gleichen Platz und gleichen Rechner war das 20.–Hotel nicht mehr auffindbar – misteriös.

Egal, ich hab ja noch Zeit und wollte eh individueller und anti-AI machen 😉

Verschoben

Verschoben werden mussten nach unserem Frühstück erstmal alle möglichen Termine.
Die Mails an die Chefs mussten raus, damit die sich nicht wundern, wenn wir am Montag nicht zur Arbeit erscheinen.
Der Flughafenshuttle musste Umgebucht werden.
Der Arzttermin für Montagnachmittag musste verlegt werden.
Das Essen mit den Schwiegereltern am Sonntagabend musste abgesagt werden.
Nun ja, dank Internet im Hotel geht das meist recht flott.

Also weiter in der Zustandsbeschreibung.
Dass das Hotelabendessen (3 Gänge-Menü mit kaltem Vorspeisebuffet, Hauptgang und Dessert nach Wahl) gut aber mit unwilligem Service war, hab ich ja bereits geschrieben.
Das Frühstück konnte aber mit dem Abendessen nicht mithalten. Der Service, der nun keine Überstunden mehr schieben musste hatte auch morgens vor 10 schon ein „Feierabend!“ auf die Stirm geschrieben und so dauerte z.B. das Auffüllen der Rühreipfanne eine knappe halbe Stunde. Die Säfte waren alle frisch gepresst, aber leider ziemlich aromabefreit. Schon das Obst bestach dadurch, dass man nicht die kleinen reifen süssen Ananas aus Paraguay nahm, sondern die teureren grösseren festen und sauren aus Brasilien.
Das gleiche Spiel mit Mango und Melone.
Zur Wurst fanden sich nur süsse Brotsorten oder Brötchen, von denen ca. 3-4 in eine Kaffeetasse passen.
Naja, uns kostet es ja nicht wirklich etwas, aber 5 Sterne-Frühstücke sollten anders aussehen, in Ciudad del Este waren im 3 Sterne-Hotel Auswahl und Qualität besser!

Nach dem Frühstück haben wir dann mal an der Rezeption nachgefragt wie es mit einem eventuellen Mittagessen und dem Flughafentransfer aussieht. Flughafentransfer ist wohl um 16 Uhr, aber Mittagessen? Pustekuchen!

Nun ja, dann belegen wir das Zimmer noch etwas und schalten gelegentlich die Klimaanlage an um uns zu erfrischen, denn Hotelpool? Fällt aus, die Badekleidung ist ja mit dem restlichen Gepäck in Sao Paulo…
Darf zwar nicht sein, ist aber so.
Obwohl es Vorschrift ist, dass Gepäck ausgeladen werden muss, wenn der Passagier aussteigt, hat das bei genügend Passagieren niemanden interessiert. Komischerweise wurde aber ein Teil des Gepäcks ausgeladen, so hat eine 4-köpfige Gruppe aus, bzw. nach Hannover ihr Gepäck bekommen obwohl sie zusammen mit uns ausstieg, unseres war aber wohl im Flieger verblieben. Da können wir mal gespannt sein wann wir das wiedersehen.

Glücklicherweise finden sich ja in Hotels dieser Kategorie zumindest Seife und Shampoo in ausreichender Zahl und ich horte in aller Regel verbotenerweise die Airline-Zahnputzsets im Handgepäck, so dass die Morgentoilette gesichert war.

Trotz fleissigem Zappens konnte ich im Kabelfernsehen keinen Fernsehbeitrag zu den ganzen Interviews vom Vorabend entdecken, also wurde die Zeit mit National Geographic Channel, Animal Planet und ähnlichem verbracht. Dazwischen nochmal ordentlich weggedämmert – bei Einheimischen heisst sowas Siesta – und abschliessend eine letzte Dusche vor der Reise.

Tam-Tam mit der TAM

Nachdem wir den Leihwagen am Flughafen schnell zurückgegeben hatten ging es zum Check-In mit noch erfreulich kurzer Schlange und von dort zu einer Erfrischung an die Flughafen-Bar. Dort gab es dann auch die Heparin-Dosis für Langstreckenflüge und ab durch die Sicherheitskontrolle. Wie üblich erregte die Fotoausrüstung Aufmerksamkeit, diesmal aber mit der rein privaten Frage, was so eine Ausrüstung denn koste, wo wir waren und was für Aufnahmen gemacht wurden.

Die fast letzten Guarani wurden noch in zwei Büchern über die wildlebenden Tiere und die häufigsten Vögel angelegt und dann warteten wir.

10 Minuten vor dem planmässigen Boarding bildete sich bereits eine Schlange, und das trotz des Hinweises, dass aus betriebsbedingten Gründen sich der Flug wohl verzögern würde. Nun ja, 20 Minuten nach geplantem Boarding kam dann auch der Hinweis, dass es sich wohl noch 30 Minuten hinziehen würde und die Schlange löste sich wieder auf. 10 Minuten nach geplantem Abflug kam die Meldung, dass unsere Maschine jetzt gelandet sei und das Boarding so schnell wie möglich beginnen würde.

Nun ja, eine gute Stunde nach dem geplanten Boarding kletterten wir auf unsere Sitze und schoben das Gepäck unter den des Vordermannes. Jetzt hiess es sitzen und abwarten.
Eine Stunde nach geplantem Start verstrich. Geräusche wie von einem kurbelnden Anlasser. Die Triebwerke wurden abgestellt. Nach 1:15 eine Durchsage des Kapitäns: „Computerprobleme“ würden den Start verzögern und man meine noch 20 Minuten zu brauchen um diese zu beheben. Wenn mein Computer solche Geräusche macht wie dieser Airbus 320, dann werfe ich ihn weg 🙂

Ich tippte auf Probleme beim Starten des Mitteltriebwerks, liess mir aber von einem anderen Passagier sagen, dass es eher die Hydraulik sei, die Flügelnasen und Landeklappen liessen sich derzeit nicht verstellen. Damit sei ein langsames Fliegen aber keine sichere Landung möglich. Nun gut, der Pilot wird ja auch lebend ankommen wollen, es sei denn, er hatte gerade einen Ehekrach.

Nach etwas über zwei Stunden und diverser Versuche mit dem Anlassergeräusch tat sich nichts – ok, der Käptn meldete sich mal wieder und bat um weitere 30 Minuten Geduld – ausser dass die Schlangen vor den Toiletten anwuchsen, die Besatzung Essen an die Kinder austeilte und eine Frau übelst stürzte und nach meiner Einschätzung das Knie dringende ärztliche Behandlung bedürfte.
Wenn das Flugzeug beginnt die Passagiere anzugreifen ist das kein gutes Zeichen (zugegeben sie ist gestürzt, weil sie einem spielenden Kind ausgewichen ist, aber das attackierende Flugzeug passt besser zum Thema „Final Destination“ das in der Reihe vor uns aufkam).

Nun gut, der Flieger kam zu spät in Asuncion an, was liegt näher als bei einer geplanten Flugzeit von 3 Stunden und real benötigten 1:40, dass bereits dort die gleichen Propbleme vorhanden waren? Dumm nur, dass der Flughafen von Sao Paulo gross und technisch gut ausgestattet ist, während in Asuncion gerade einmal ausreichend Sprit für den Rückflug zur Verfügung steht, aber keine kompetenten Hydrauliktechniker…

Die bestehende Lücke zwischen den diversen Anschlussflügen und einer möglichen Landung verkürzte sich dramatisch und Paraguayer mit amrerikanischem Pass meinten schon „Ich kann in Brasilien aber gar nicht einreisen, ich habe gar kein Visum…“. Deshalb verliessen zweieinhalb Stunden nach geplantem Start etlische Passagiere mit Ziel USA oder Deutschland den Flieger um lieber in Asuncion zu bleiben – schliesslich hatte der Pilot ja auch von einem letzten Versuch berichtet, die Maschine zum Laufen zu bringen und dieser war wohl fehlgeschlagen – eine erneute Meldung von seiner Seite erfolgte jedoch nicht. Und wer als erstes draussen ist, der kann sich auch als erstes seinen Weiterflug sichern.

Aber erstmal heisst es wieder nach Paraguay Einreisen. Der Sicherheitsbeamte, der sich für meine Fotoausrüstung interessiert hatte, begrüsste mich und meinte gleich „Ah, jetzt kommen mehr Fotos…“
Am TAM-Schalter stand dann schon eine kleine Gruppe mit den ersten 5 Parteien, die abgefertigt wurden. Dabei ging man in lateinamerikanischer Gelassenheit mit ebensolcher Organisation vor. Da dieses anscheinend noch nie vorgekommen war, wuselten die Damen wie ein Bienennest umher und machten mal dieses mal jenes. Irgendwann wurde sich dann auch unser angenommen und nach einem Flug mit Ankuft am Sonntag in Frankfurt gesucht. Dass ein Abflug Sonntags um 21:00 Uhr in Buenos Aires dabei nicht zielführend sein kann, fiel der Dame nicht gleich auf, nach meinem dezenten Hinweis, dass ich dann ja auch den vorher angebotetenen Flug zur gleichen Zeit wie geplant am Folgetag nehmen könnte, gab sie mir allerdings Recht.

Langer Rede kurzer Sinn, der Flug wurde auf Sonntag 18 Uhr umgebucht mit Ankunft Montag 14:40 in Frankfurt. So der Flieger abheben will…

Jetzt fehlte eigentlich nur noch unser Gepäck, eine Unterkunft und etwas zu Essen, denn ich rief bereits lautstark nach einer halben Kuh in Knoblauch. Die geplante Abflugzeit war jetzt um knappe 3:30 verstrichen und von einer anderen Passagierin wurde mir gesagt, dass der Flieger dann doch tatsächlich abgehoben habe, vor 15 Minuten. Das hiesse den Flieger nach Frankfurt um eine geschlagene Stunde zu verpassen und dann in Brasilien zu sitzen.

Nach einer weiteren Stunde – inzwischen war ich vom lokalen Fernsehen interviewt worden und habe gleich ob der verspäteten Ankunft in Deutschland der TAM Post vom Rechtsanwalt angekündigt – sassen wir immer noch und warteten auf einen Transfer zum für uns organisierten Hotel. Dieser fand dann 5 Stunden nach geplanten Abflug auch wirklich statt und dauerte, inclusive der kleinen touristischen Stadtrundfahrt – eine knappe halbe Stunde.

So kamen wir dann um 23:30 im „Excelsior“ an, bezogen schnell die Zimmer und gingen zum späten Abendessen – die Hotelrestaurants schliessen um 0:00 Uhr.
Mit entsprechendem Elan wurden wir vom Personal bedient – „Überstunden, Danke!“ stand breit in die Gesichter geschrieben.
Das Essen war ausgezeichnet, im Gegensatz zu den anderen Gästen namen wir zum Essen ein kostenpflichtiges Bier um anschliessend den kostenfreien Softdrink als Nachtration aufs Zimmer zu nehmen.
Als ich also die zwei Wasser und die Rechnung bestellte lautete die Rechnung auf 2 * Bier a 12000.- und 2 Wasser a 2000.-, macht in Summe 28000.-
Da das Wasser ja kostenfrei war, reklamierte ich die Rechnung, worauf diese korrigiert wurde auf 2 * Bier a 13000.-, macht in Summe 26000.- 🙂

Auf dem Zimmer nahmen wir noch ein Bier aus der Minibar um besser schlafen zu können, und auch um die Kakerlaken nicht so laut zu hören, denn auf dem Flur stolzierte ein ausgewachsenes Exemplar neben unserer Tür und in unserem Bad waren die Larvenstadien 2-4 unterwegs. Vielleicht sogar Larvenstadium 1, aber so genau wollte ich gar nicht nachschauen, in einem 5*-Hotel waren es in jedem Fall auch 5*-Schaben.

Wir dürfen gespannt sein, wie der Rest der Rückreise verläuft und berichten live vom Ort des Geschehens, solange wir noch Internet haben…

Jagdgeschwader Kolibri

Da auch der heutige Tag im Zeichen des Shoplaxing stand, musste man sich etwas Programm ausdenken.
Tina startete mit einer Reitstunde – ihrer zweiten hier und in ihrem Leben. Als Naturtalent machte sie dabei eine gute Figur.

Ich hingegen rüstete die Kamera um und nahm mit dem EF 100-400 IS sowie einem 2-fach Telekonverter samt Einbeinstativ die Jagd nach den hiesigen Kolibris auf.
Vor einem Busch auf die Lauer gelegt kam nach geschlagenen eineinhalb Stunden ein Kolibri vorbei um zu schauen ob der Busch noch da ist. Anscheinend hatte der Rest der Truppe Familienfeier an einem anderen Busch…
Nach zwei Stunden endlich kam ein Opfer vorbei und prompt ging das Geschiesse los. Hat sich das Warten bei „nur“ 32 Grad doch noch gelohnt.

Da es dann wegen des zunehmend bewölkten Himmels noch etwas weiter abkühlte, sind wir zum berühmten Petirossi-Markt, einem Gebiet in dem neben Strassenständen auch Gebäudeteile als Markt umfunktioniert sind.
Dort gibt es bis auf Motorräder und Autos eigentlich alles was man sich denken kann, von Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Kleidung, Schuhen, Plastikwaren, Brautkleidern, Schmuck, Uhren, CDs und DVDs, Enten- und Hühnerküken, lebende Schildkröten, Goldhamster, Autoersatzteile, nun ja, halt alles quer Beet.

Im Sommer sind besonders die überdachten Bereiche mit Fisch und Fleisch nur für härtere Nasen geeignet.
Die Rinderherzen hängen offen und ungekühlt an der „frischen“ Luft und haben schon eine merkliche Haut. Die Schweine- und Ziegendärme sind aufgeblasen in den oberen Etagen der Stände zu finden.
Zwei Paraguayos waren von meiner Kamera mit dem nicht kleinen EF 35-350 mm L derart angetan, dass sie vor der Kamera posierten und dringend abgelichtet werden wollten – was sie nicht wissen ist, dass sie jetzt im Internet sind…

Nach dem Einkauf für den abendlichen Salat und ein paar Trockenbohnen und Kaa Hee – auf Deutsch: Stevia – für zu Hause wurde der Rückweg durch den Feierabendverkehr angetreten und der Relaxanteil des Tages mit einer Stunde im Pool weiterverfolgt.

Kriegserinnerungen

Der blutigste Krieg Südamerikas.
Der Krieg, der dazu führte, dass Paraguay vom Status einer Grossmacht der Region zum Entwicklungsland zurückfiel.
Der Krieg, der das Land 50% seiner Fläche kostete, die an Argentinien und Brasilien fiel.
Der Krieg, der über 90% der paraguaischen Männer und insgesammt ca. 77% der Bevölkerung das Leben kostete.
Dieser Krieg ist bekannt unter dem Namen „Tripel-Allianz-Krieg“. Paraguay als Grossmacht half Uruguay, das von Argentinien und Brasilien angegriffen wurde. Diese Hilfe war teuer und da innerhalb von Uruguay die bestehende Regierung sich nicht halten konnte fiel das hilfesuchende Land unter neuer Leitung dem Hilfegeber mit den zwei anderen Kriegsparteien in den Rücken.
Eines der Denkmale die an diesen Krieg erinnern ist Vapor Cue. Ein Nationalpark, der mit Hilfe Spaniens unter den Diktaturen von Stroessner und Franco errichtet wurde.
War er früher schwer zu erreeichen, führt heute eine komplett asfaltierte Strasse bequem hin. Dort angekommen erwartet einen eine kleine Sandstrasse an der die Reste der sechs dort im Krieg versenkten Boote ausgestellt sind. Sie wurden versenkt, damit sie nicht den Kriegsgegnern in die Hände fallen. Die hölzernen Boote wurden auch noch angezündet, so dass heute von diesen vier nur noch die Dampfkessel und einige Planken ausgestellt sind. Die Metalldampfsegler waren noch besser erhalten und sind teilweise „restauriert“ – wenn man das pure Annieten von Metallplatten als Restauration bezeichnen will.
Die Reste der Kriegsflotte eines Binnenlandes, und um so mehr ein Wunder, wenn man die geringe Grösse des Flusses zur Grösse der Boote bedenkt. Zu jedem der Boote finden sich die relevanten Informationen auf einer Tafel.

Daneben existieren inzwischen Freizeitanlagen wie Grillstellen, Tische und Bänke, die von den Einheimischen auf gerne genutzt werden. Die zumindest bei Niedrigwasser wie wir es aktuell haben teilweise malerischen kleinen Strände sind so beliebt, dass aus dem nächsten Ort die Jugendlichen 5 km zu Fuss zum Baden hergelaufen kommen.
Auch bei den Tieren ist das Flussufer mit den Stränden beliebt, so sieht man Kühe im Fluss baden und am Ufer trinken jede Menge Vögel.

Gestern statteten wir also diesem Kriegsdenkmal einen Besuch ab und wollten anschliessend im daneben gelegenen Hotel Vapor Cue eine Erfrischung zu uns nehmen – siehe da, es war in der Hauptsaison geschlossen. „Wegen Renovierungsarbeiten“ wobei man allerdings jegliches Vorhandensein von Baumaterialien oder Arbeitern ausschliessen konnte. Also wohl eher „wegen Reichtums“ geschlossen.

Da hiess es dann weiterfahren nach Caacupe und der dritte Anlauf dort eine Internetbekanntschaft zu besuchen klappte schlussendlich. Wir tranken ein paar Biere im Hotel Asuncion neben der Kathedrale, bevor wir zu ihnen nach Hause gefahren sind.
Wer erstmal 24 Jahre in Paraguay lebt und keinen deutschen Pass mehr hat, der hat etwas zu erzählen. Und trotz der langen Zeit im Land merkt man immer noch die Begeisterung, die sie für Paraguay haben. Nicht nur wegen der derzeitigen Kälte in Deutschland könnten sie es sich nicht mehr vorstellen zurückzugehen.
Wenn man sich den Ort Caacupe anschaut, kann ich dies verstehen. Obwohl Provinzhauptstadt mit entsprechendem Verkehr ist dieser aus der Stadt gut herausgeleitet und der Ortskern um die berühmte Kathedrale ist herrlich ruhig gelegen. Dazu die hügelige Landschaft mit dem vielen Grün, einigen kleinen Flüssen und Bächen, da kann man schon mal „kleben bleiben“.

Da wir aber noch eine Station besuchen wollten haben wir das gastliche Haus dann auch irgendwann verlassen und uns auf den Weg nach Tobati gemacht. Tobati ist das landesweite Zentrum der Ziegelherstellung, die alle in holzbefeuerten Öfen gebrannt werden. Daneben ist Tobati bekannt durch ein „Künstlerdorf“, eine kleine Handwerkeransiedlung mit gemeinsamer grosser Ausstallungs- und Verkaufshalle wo man von Kitsch über attraktives Kunsthandwerk bis komischerweise zum Pick-Up-Motorrad (wohl für die Dorfbewohner) alles erstehen kann.
Daneben ist Tobati durch die Skulpturen dreier Köpfe sowie eine 500 Millionen Jahre alte Steinformation bekannt, die recht skurril geformte Teile aufweist.

Von dort ging es im direkten Weg über die Nordschleife (Emboscada, Limpio) und eine Polizeikontrolle (PYG 260.000 – ca. € 40.- – wegen Überholens im Überholverbot – ich bin schon zu gut aklimatisiert) zurück zur Unterkunft.

Shoplaxing

Heute stand der Tag im Zeichen des Shoppings und des Relaxens.
Erst haben wir den Shopping-Bereich von Luque erkundet und sind danach in die luxuriöse Einkaufsmeile „Shopping del Sol“ gefahren. Doirt findet man alles was das Luxusherz begehrt, Parfümerien mit allen bekannten Marken, Edeljuweliere und -Uhrmacher (wobei, Rolex habe ich bislang nicht gesehen), Boutiquen mit bekannten und für uns unbekannten Marken, eine grosse Food-Mall mit allen möglichen kulinarischen Richtungen sowie einem angeschlossenen Supermarkt.

Trotz des nicht geringen Preises haben wir in einem Andenkenladen eingekauft, denn die Qualität hat überzeugt und den ca. 50%igen Aufpreis zu anderen Läden gerechtfertigt. Eigentlich wollte ich auch Hosen kaufen, aber entweder war die Qualität zu schlecht oder der Preis auf europäischem Niveau.

Komischerweise wird in Deutschland die Weihnachtsdekoration am 6. Januar spätestens abgebaut, hier bleibt sie stehen, ok, die Bäume nadeln ja auch nicht…

Wieder zurück in der Unterkunft hat sich das uns begleitende russische Pärchen an den Pool verzogen, während wir Bett + Ventilator wählten. Dies wurde gefolgt von einer einstündigen Ganzkörpermassage sowie bei Tina noch von einer Reitstunde.

Plattfuss in Paraguay

Nein, kein neuer Film mit Bud Spencer sondern die Beschreibung was man hier macht, wenn man mit dem Auto einen Platten hat.

Man fährt in die nächstgelegene Gomeria, einem Service den es in den kleinsten Ortschaften und meist 24 Stunden am Tag gibt und wo man vom Luftaufpumpen über Reifen flicken bis hin zu Gebrauchtreifen alles bekommt.
In unserem Fall war es die „Grossgomeria“ am Ortseingang von Villarica neben dem Palace Hotel.
Grossgomeria, weil sie nicht nur Unmengen von alten Reifen im Angebot hat sondern auch zwei Kompressoren, jeweils mit Vorratsdrucktank.

Also mit einem platten Hinterhuf vorgefahren und sofort springt jemand auf das Auto zu und weist uns mich ein wie weit ich zu fahren habe – schliesslich regnet es und man möchte trocken bleiben.

Ruckzuck ist der Wagen hochgebockt und der Reifen demontiert.
Erstmal Luft hinein und das Loch im Wasserbad gesucht. Ein Riss oder Schnitt, entweder von einer Glasscherbe oder von einem spitzen Stein auf einer unserer Gebirgstouren. Dieses wird markiert, genau wie der Ventilsitz.
Dann schnell von der Felge befreit und den Reifen aufgespannt.

Mit einer Druckluft-getriebenen Feile wird die Oberfläche angeraut, mit Kleber eingepinselt und ein Flicken kommt drauf wie wir es von Fahrradschläuchen kennen.
Dann wieder rauf auf die Felge, Ventil rein und Luft drauf.
Letzte Kontrolle im Wasserbad ob alles dicht ist und gleich ist das Rad wieder montiert.

Gedauert hat es 20 Minuten und gekostet € 1,48 oder 10000 Guarani.
In Deutschland undenkbar, hier unverzichtbar.