• Seiten

  • Karl Länder

    November 2009
    M D M D F S S
    « Aug    
     1
    2345678
    9101112131415
    16171819202122
    23242526272829
    30  
  • Altes

  • Statistik, selbstgefälscht

    • 4,985 hits
  • Lästige Mitmenschen

  • Sagmir wose

Jagdgeschwader Kolibri

Da auch der heutige Tag im Zeichen des Shoplaxing stand, musste man sich etwas Programm ausdenken.
Tina startete mit einer Reitstunde – ihrer zweiten hier und in ihrem Leben. Als Naturtalent machte sie dabei eine gute Figur.

Ich hingegen rüstete die Kamera um und nahm mit dem EF 100-400 IS sowie einem 2-fach Telekonverter samt Einbeinstativ die Jagd nach den hiesigen Kolibris auf.
Vor einem Busch auf die Lauer gelegt kam nach geschlagenen eineinhalb Stunden ein Kolibri vorbei um zu schauen ob der Busch noch da ist. Anscheinend hatte der Rest der Truppe Familienfeier an einem anderen Busch…
Nach zwei Stunden endlich kam ein Opfer vorbei und prompt ging das Geschiesse los. Hat sich das Warten bei „nur“ 32 Grad doch noch gelohnt.

Da es dann wegen des zunehmend bewölkten Himmels noch etwas weiter abkühlte, sind wir zum berühmten Petirossi-Markt, einem Gebiet in dem neben Strassenständen auch Gebäudeteile als Markt umfunktioniert sind.
Dort gibt es bis auf Motorräder und Autos eigentlich alles was man sich denken kann, von Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Kleidung, Schuhen, Plastikwaren, Brautkleidern, Schmuck, Uhren, CDs und DVDs, Enten- und Hühnerküken, lebende Schildkröten, Goldhamster, Autoersatzteile, nun ja, halt alles quer Beet.

Im Sommer sind besonders die überdachten Bereiche mit Fisch und Fleisch nur für härtere Nasen geeignet.
Die Rinderherzen hängen offen und ungekühlt an der „frischen“ Luft und haben schon eine merkliche Haut. Die Schweine- und Ziegendärme sind aufgeblasen in den oberen Etagen der Stände zu finden.
Zwei Paraguayos waren von meiner Kamera mit dem nicht kleinen EF 35-350 mm L derart angetan, dass sie vor der Kamera posierten und dringend abgelichtet werden wollten – was sie nicht wissen ist, dass sie jetzt im Internet sind…

Nach dem Einkauf für den abendlichen Salat und ein paar Trockenbohnen und Kaa Hee – auf Deutsch: Stevia – für zu Hause wurde der Rückweg durch den Feierabendverkehr angetreten und der Relaxanteil des Tages mit einer Stunde im Pool weiterverfolgt.

Kriegserinnerungen

Der blutigste Krieg Südamerikas.
Der Krieg, der dazu führte, dass Paraguay vom Status einer Grossmacht der Region zum Entwicklungsland zurückfiel.
Der Krieg, der das Land 50% seiner Fläche kostete, die an Argentinien und Brasilien fiel.
Der Krieg, der über 90% der paraguaischen Männer und insgesammt ca. 77% der Bevölkerung das Leben kostete.
Dieser Krieg ist bekannt unter dem Namen „Tripel-Allianz-Krieg“. Paraguay als Grossmacht half Uruguay, das von Argentinien und Brasilien angegriffen wurde. Diese Hilfe war teuer und da innerhalb von Uruguay die bestehende Regierung sich nicht halten konnte fiel das hilfesuchende Land unter neuer Leitung dem Hilfegeber mit den zwei anderen Kriegsparteien in den Rücken.
Eines der Denkmale die an diesen Krieg erinnern ist Vapor Cue. Ein Nationalpark, der mit Hilfe Spaniens unter den Diktaturen von Stroessner und Franco errichtet wurde.
War er früher schwer zu erreeichen, führt heute eine komplett asfaltierte Strasse bequem hin. Dort angekommen erwartet einen eine kleine Sandstrasse an der die Reste der sechs dort im Krieg versenkten Boote ausgestellt sind. Sie wurden versenkt, damit sie nicht den Kriegsgegnern in die Hände fallen. Die hölzernen Boote wurden auch noch angezündet, so dass heute von diesen vier nur noch die Dampfkessel und einige Planken ausgestellt sind. Die Metalldampfsegler waren noch besser erhalten und sind teilweise „restauriert“ – wenn man das pure Annieten von Metallplatten als Restauration bezeichnen will.
Die Reste der Kriegsflotte eines Binnenlandes, und um so mehr ein Wunder, wenn man die geringe Grösse des Flusses zur Grösse der Boote bedenkt. Zu jedem der Boote finden sich die relevanten Informationen auf einer Tafel.

Daneben existieren inzwischen Freizeitanlagen wie Grillstellen, Tische und Bänke, die von den Einheimischen auf gerne genutzt werden. Die zumindest bei Niedrigwasser wie wir es aktuell haben teilweise malerischen kleinen Strände sind so beliebt, dass aus dem nächsten Ort die Jugendlichen 5 km zu Fuss zum Baden hergelaufen kommen.
Auch bei den Tieren ist das Flussufer mit den Stränden beliebt, so sieht man Kühe im Fluss baden und am Ufer trinken jede Menge Vögel.

Gestern statteten wir also diesem Kriegsdenkmal einen Besuch ab und wollten anschliessend im daneben gelegenen Hotel Vapor Cue eine Erfrischung zu uns nehmen – siehe da, es war in der Hauptsaison geschlossen. „Wegen Renovierungsarbeiten“ wobei man allerdings jegliches Vorhandensein von Baumaterialien oder Arbeitern ausschliessen konnte. Also wohl eher „wegen Reichtums“ geschlossen.

Da hiess es dann weiterfahren nach Caacupe und der dritte Anlauf dort eine Internetbekanntschaft zu besuchen klappte schlussendlich. Wir tranken ein paar Biere im Hotel Asuncion neben der Kathedrale, bevor wir zu ihnen nach Hause gefahren sind.
Wer erstmal 24 Jahre in Paraguay lebt und keinen deutschen Pass mehr hat, der hat etwas zu erzählen. Und trotz der langen Zeit im Land merkt man immer noch die Begeisterung, die sie für Paraguay haben. Nicht nur wegen der derzeitigen Kälte in Deutschland könnten sie es sich nicht mehr vorstellen zurückzugehen.
Wenn man sich den Ort Caacupe anschaut, kann ich dies verstehen. Obwohl Provinzhauptstadt mit entsprechendem Verkehr ist dieser aus der Stadt gut herausgeleitet und der Ortskern um die berühmte Kathedrale ist herrlich ruhig gelegen. Dazu die hügelige Landschaft mit dem vielen Grün, einigen kleinen Flüssen und Bächen, da kann man schon mal „kleben bleiben“.

Da wir aber noch eine Station besuchen wollten haben wir das gastliche Haus dann auch irgendwann verlassen und uns auf den Weg nach Tobati gemacht. Tobati ist das landesweite Zentrum der Ziegelherstellung, die alle in holzbefeuerten Öfen gebrannt werden. Daneben ist Tobati bekannt durch ein „Künstlerdorf“, eine kleine Handwerkeransiedlung mit gemeinsamer grosser Ausstallungs- und Verkaufshalle wo man von Kitsch über attraktives Kunsthandwerk bis komischerweise zum Pick-Up-Motorrad (wohl für die Dorfbewohner) alles erstehen kann.
Daneben ist Tobati durch die Skulpturen dreier Köpfe sowie eine 500 Millionen Jahre alte Steinformation bekannt, die recht skurril geformte Teile aufweist.

Von dort ging es im direkten Weg über die Nordschleife (Emboscada, Limpio) und eine Polizeikontrolle (PYG 260.000 – ca. € 40.- – wegen Überholens im Überholverbot – ich bin schon zu gut aklimatisiert) zurück zur Unterkunft.

Shoplaxing

Heute stand der Tag im Zeichen des Shoppings und des Relaxens.
Erst haben wir den Shopping-Bereich von Luque erkundet und sind danach in die luxuriöse Einkaufsmeile „Shopping del Sol“ gefahren. Doirt findet man alles was das Luxusherz begehrt, Parfümerien mit allen bekannten Marken, Edeljuweliere und -Uhrmacher (wobei, Rolex habe ich bislang nicht gesehen), Boutiquen mit bekannten und für uns unbekannten Marken, eine grosse Food-Mall mit allen möglichen kulinarischen Richtungen sowie einem angeschlossenen Supermarkt.

Trotz des nicht geringen Preises haben wir in einem Andenkenladen eingekauft, denn die Qualität hat überzeugt und den ca. 50%igen Aufpreis zu anderen Läden gerechtfertigt. Eigentlich wollte ich auch Hosen kaufen, aber entweder war die Qualität zu schlecht oder der Preis auf europäischem Niveau.

Komischerweise wird in Deutschland die Weihnachtsdekoration am 6. Januar spätestens abgebaut, hier bleibt sie stehen, ok, die Bäume nadeln ja auch nicht…

Wieder zurück in der Unterkunft hat sich das uns begleitende russische Pärchen an den Pool verzogen, während wir Bett + Ventilator wählten. Dies wurde gefolgt von einer einstündigen Ganzkörpermassage sowie bei Tina noch von einer Reitstunde.

Tschacka, Du schaffst es – Chaco, manche schaffen es nicht

Gestern ging es in den unteren Chaco.
Zum Start sind wir direkt vor der Zahlstelle der Remanso-Brücke rechts abgebogen und haben dann die zweite links genommen um zum Rio Paraguay und „den Fischweibern“ zu kommen. Dort sitzen direkt am Fluss etliche Frauen und verkaufen frischen Fisch. Kommt man als anscheinlicher Interessent, wettereifern sie miteinander um den Kunden, der ja meist nur einen kapitalen Fisch kauft.
Da sie angeblich manchmal bei Kameras nicht gerade freundlich reagieren habe ich auf das Ablichten verzichtet, aber an Fang gab es:
- Doradas (Salminus hilarii / brasiliensis)
- Schwarzer Pacu (Colossoma macropomum)
- Roter Piranha (Pygocentrus nattereri)
- Sorubim (Pseudoplatystoma corruscans)
- Raubsalmler (Hoplias malabaricus)

Nach einer Erfrischung ging es dann über die Brücke in die Weite des Chaco. Zunächst kamen zwei Orte, einer davon Villa Hayes, die Bezirkshauptstadt. Diese hinter sich lassend folgen Kilometer um Kilometer an meist lange geradeauslaufenden Strassen. Ab und an eine Brücke, gelegentlich ein Rancheingang. Selten sah man Indianersiedlungen und einige wenige Indianer. An drei Indianer“hütten“ waren vorne ein kleiner Verkaufsstand mit Palmflechtwaren – auf dem Rückweg hielten wir an jeder dieser Hütten an und kauften eine Kleinigkeit, damit für die jeweiligen Familien die nächsten Tage gesichert sind. Auch wenn diese Familien unter einfachsten Bedingungen leben und nach unseren Verhältnissen „nichts“ haben, so sind auch die Ansprüche gering mit mit einem solchen Einkauf kommen sie wieder etwas weiter, auch wenn eine Flechttasche oder -Schale nur € 3.- und ein Fächer € 1,50 kostet.

Neben der Strasse reihte sich weitläufige Viehweide an die nächste, der nächste „Ort“ hingegen wurde erst nach ca. 60 km erreicht und somit, was in Paraguay ein limitierender Faktor sein kann, auch die nächste Gomeria. Zum Glück benötigten wir keine.
Den Endpunkt legten wir vorher auf den Rio Negro fest – den in Paraguay, nicht den im Amazonasbecken.
Damit hat unsere Tour mit ca. 200 km Distanz die maximale Ausdehnung erreicht gehabt.

Dann ging es wieder zurück, nicht nur weil nach Rio Negro die Strasse deutlich schlechter wird (bis dahin waren sie besser als erwartet, teils wird sie frisch gemacht) – obwohl das nur ein kurzes Stück sein soll.
Auf dem Rückweg habe ich dann deutlich mehr Vollbremsungen hingelegt um die Vögel der Region oder andere Tiere abzulichten.

Wieder über die Brücke haben wir noch versucht eine Internetbekanntschaft zu besuchen, aber leider war niemand zu Hause. Also waren wir dann nach insgesammt ca. 420 km und knapp 7 Stunden wieder in unsere Unterkunft eingekehrt um uns am Pool zu erfrischen.

Allgemein fand ich den Chaco im vorderen Bereich viel grüner und weniger lebensfeindlich als ich gelesen habe. Allerdings ist das ja auch der Chaco in der Nähe des Flusses und nicht in dem Bereich, in dem die Kakteen die Macht übernehmen…

65° Celsius und neuer persönlicher Rekord

Heute hat die Regierung entschieden, dass wir in der Nähe bleiben und Asuncion erkunden.
Um 12 ging es in die Innenstadt, wobei lediglich ein einziges Schild uns irgendwann die Richtung zum Zentrum wies. Der Verkehr mit einer der chaotischsten, die ich erlebt habe, Mexiko-City ist ähnlich wüst aber dafür zu 100% ausgeschildert. Was ich nur hier erlebt habe: Motoradfahrer, die sich in Kamikaze-Manier auf die Gegenfahrbahn bewegen um zum Abbiegen nicht stehen zu bleiben.
An der Kathedrale angekommen haben wir sofort einen Parkplatz bekommen, zwar in der Sonne, aber wen kümmert schon ein warmer Wagen?

Am Platz vor der Kathedrale hatte man den ersten Blick auf die Bahia, allerdings blickte man dafür über eines der ärmeren Viertel, wobei Slums sehen anders aus, aber der Unterschied ist nicht mehr so fern.
Dann ging es weiter runter Richtung Hafen, wobei man Justizpalat und am Präsidentenpalast vorbeikommt.
Im Justizpalast ist merkwürdigerweise ein altes Gebäude baulich integriert, evtl. war dies der alte Justizpalast.
Der Präsidentenpalast ist fleissig bewacht, wobei ich glaube, dass bei uns alleine eine islamische Botschaft mit mehr Personal bewacht werden würde.

Am Zoll angekommen sind wir dann in Richtung Haupteinkaufsstrasse abgebogen um einen Eindruck von den hiesigen Waren zu bekommen. Aber wegen der Temperatur haben wir vorher noch eine Rast eingelegt und haben eine lokale Selbstbedienungskantine gewählt. Da die Chefin gleich sah, dass wir uns hier nicht auskannten gab es für uns als Einzigste die Bedienung am Tisch. 30 Minuten runterkühlen später ging es weiter durch die Strassen von Asuncion.

Längs der Einkaufsmeile „Palma“ sind überall kleine Stände aufgebaut oder Indianerfrauen verkaufen Kunsthandwerk auf ausgebreiteten Decken. Auf den Plätzen sind teils auch Marktstände aufgebaut in denen man die Gesamtheit der touristischen Handwerkskunst kaufen kann.
Seitlich gibt es dann „Galerias“, kleine Einkaufspassagen, in denen die Geschäfte in der Regel alle dem gleichen Metier zugehören. Beispielhaft haben wir die Elektronik und Handy gewählt. Vom Sortiment her haben wir zu Deutschland nichts vermisst, Preise haben wir allerdings nicht verglichen.
Die nächste Abkühlung verschafften wir uns beim Schuhe anschauen in einem grossen Kaufhaus. Von Hugo Boss Parfüms über Nobelunterwäsche bis zu brasilianischen Schuhen wurde vieles geboten, und das auf 6 Etagen.

Die richtige Abkühlung war dann bei Burger King fällig – ein eiskaltes Lokal mit eiskalten Drinks. Wie hier üblich gibt es im ganzen Laden nur eine einzige Person, die die Kasse bedienen und Geld kassieren darf. Mit dem Kassenbon holt man sich dann was immer man haben möchte an den verschiedenen Ausgabestationen.
So lässt es sich aushalten. Die Musikbeschallung ist deutlich kräftiger als in Deutschland, halt wie man es hier mag. Alle 15 Minuten wird gewischt oder gefegt. Internetterminals stehen zur Verfügung. Das ist das amerikanisierte moderne Paraguay.
Das Paraguay, dass zeigt, dass man hier sein Brot auch richtig hart verdient arbeitet im Recyclinggewerbe und hat zum Glück noch keine Konkurrenz vom Dualen System Deutschland, das ja bekanntlich international die Müllsammlerjobs reichlich dezimiert hat, damit die staatlich verordnete Recyclingquote gehalten werden kann. Da nur Wohlstandsmüll so gesammelt und entsorgt wird, sieht man an den Strassen auch so manches, was nicht so schnell entsorgt wird.

Irgendwann haben wir dann wieder umgedreht und unser Auto abgeholt. Der Wagenwäscher, der kein Geschäft mit der Wäsche machen konnte hat einen 1000er fürs Aufpassen bekommen und wir uns auf die Klimaanlage gefreut, die uns von den 45° Celsius – immerhin 65° mehr als in Deutschland derzeit – erlöst.

Sommerfrische am See

Der heutige Tag stand unter dem Zeichen eines Ausflugs rund um den Ypacarai-See.
Von Luque starteten wir nach Aregua, wo am Bahnhof der noch immer im Sommer verkehrende historische Dampfzug Station gemacht hatte. Die Fahrt geht von Luque nach Aregua mit einigen Stunden Aufenthalt und dann zurück.

Dort sind wir dann auch zum ersten Mal ans Seeufer gestossen, zu einer Sommerparty, denn es kostete pro Person Gs. 5000 Eintritt. Dafür gab es Disco-Beschallung wie der Paraguayer sie liebt.
Da wir früh am Tag dort eintrafen – es war gerade mal 12:30 – war es noch sehr leer. Ein einzelner Junge traute sich ins Wasser. Nicht dass es kalt gewesen wäre, es ist schlicht und ergreifend elend dreckig. In den See sind Jahrzehntelang Abwässer eingeleitet worden, so dass er biologisch und chemisch stark belastet ist. Trotzdem ist der See das bevorzugte Freizeitziel für alle in der Umgebung – und das sind immerhin 3 Millionen Menschen in Asuncion – zum Glück können es sich aber nicht alle leisten, denn sonst wäre der See faktisch tot. Auch die Wiesen am See sind – obwohl Eintritt verlangt wird alles andere als sauber… Wenn man sich dann die aufgestellten Mülleimer anschaut und sieht, dass sie nach unten durchgerostet sind wird einem manches klarer: so helfen auch keine „Haltet eure Umwelt sauber!“ Schilder.

Dass in dem See noch vitales Leben ist bewiesen recht schnell ein paar Fischer die mit ihrem Boot anlandeten. Ihren Fang bezeichneten sie als „nur Kleinkram“ da es seit drei Tagen zu windig ist. Er bestand überwiegend aus Liniendornwelsen (Platydoras costatus), einem in Deutschland beliebten Aquarienfisch, der zwar nicht als Filet genossen werden kann, jedoch eine gute Einlage für die Fischsuppe bildet. Daneben noch zwei kapitale Salmler, die im Gegensatz zu den Welsen wesentlich anspruchsvoller sind, was den Sauerstoffgehalt des Wasser angeht, so schlimm kann es also um den See nicht bestellt sein.
Zum Abschied meinte der Fischer noch „Danke, dass Sie Paraguay besuchen!“ – höflich sind sie, die Paraguayer und sie freuen sich, wenn man sich mit ihnen unterhält.

Bei der Weiterfahrt haben wir zunächst nicht weiter den See umrundet sondern den zweiten Anlauf zum Aufsuchen einer Internetbekanntschaft in Caacupe gemacht, leider wieder vergeblich. Dort haben wir dann „im Südlichen Mitteldeutschland“ gegessen und ich muss sagen, dass ich noch nie ein so zähes Rinderfilet hatte, dass aus einer so schlecht geputzten Pfanne kam. Auf der Rechnung hat man sich dann gleich mal bei einer Position um eine Null vertan, was in Summe nur 45% Aufschlag für dumme Touris ausmachte. Naja, gemerkt und reklamiert, auch ein Taschenrechner hilft halt nicht, wenn die Angestellten keine Zahlen übertragen können.

Dann wieder zurück zum See, ins berühmte San Bernardino, dem Ort an dem die Schönen und die Reichen Paraguays Urlaub machen. Und siehe da, ich habe an keinem Ort Paraguays bislang so viele hübsche Frauen gesehen! Auch die Anzahl der grossen Autos war enorm, so dass ein Hummer H2 in den vielen Jeeps, Volvo XC90, X5 gar nicht weiter auffiel, im Gegenteil, er wirkte eher klein.

Schnell ein Bild vom ältesten Hotel am Platze gemacht, dem Hotel del Lago, von dem ich in Deutschland eine uralte Postkarte habe, da es ein beliebtes Postkartenmotiv war.
Danach runter zum See, wo auf dieser Seite jede Menge Wassersport ausgeübt wurde. Schlauchbootfahren, Segeln, Kitesurfen, Jetskifahren und natürlich Schwimmen… Wer’s mag…

Ein Papparazzo-Shot – um die Persönlichkeit unkenntlich zu machen haben wir sie mit einer Unmenge an Make-Up bedeckt.

Und wenn man sieht, wer alles am See liegt, Einheimische im Schatten, Touristen in der Sonne…

Die Weiterfahrt führte uns dann nach Altos wo wir kurz vorher links in die Pampa bogen und nach 5,2 km das Hotel und Restaurant eines deutschen Gauchos erreichten. Essen und Trinken mit der besseren Gesellschaft Paraguays. Wir parkten unseren Nissan vor dem Tor, drinnen war es mit Volvos, 7er BMW etc. schon „etwas“ voll.
Eine echt beachtliche Anlage und da sich dort wie der Chef uns sagte auch viele Stammgäste aus Asuncion einfinden wird die Küche auch halten was die Anlage vom allgemeinen Eindruck verspricht. Ein paar einheimische Damen liessen sich die Zimmer zeigen und waren höchst erfreut („wunderbar!“). Wenn es mich mal wieder an den See verschlägt ist eine Nacht dort Pflicht – und das nicht nur, weil der Chef sich persönlich um alle Gäste kümmert…
Auch der Ausblick über das Westufer des Sees bis nach Asuncion ist bemerkenswert, heute allerdings durch etwas Brandrodung getrübt.

Von da aus ging es mit Bogen über Emboscada zurück nach Luque, was uns den ersten Blick auf den silbrig schimmernden Rio Paraguay erlaubte. Natürlich gab es zuletzt wieder mal das Problem, dass in Limpio (ja, hier gibt es Orte, die heissen „Sauber“, sind aber auch nicht sauberer als andere lateinamerikanische Städte) mal wieder nichts darauf hinwies, wo man links ab muss, aber inzwischen sind wir ja Suchen gewohnt und haben mit nur einmal drehen den Weg gefunden.

Umzug

Heute sind wir von Villarica nach Luque umgezogen.
Nach einer heftigen Abschiedsparty sind wir um 14 Uhr aufgebrochen und haben auf der Ruta 2 dann versucht die Abzweige Richtung Aregua zu finden – beim dritten hat es dann geklappt, der war nämlich ausgeschildert…
Von Aregua ist es dann nur noch einen Katzensprung, allerdings sind auf der Karte zwei Möglichkeiten eingezeichnet und im Ort ist keine ausgeschildert – der Asfalt hört irgendwann auf und geht eine Strasse versetzt weiter – was wir merkten nachdem wir der Stein- und später Lehmstrasse weiter folgten. Da uns ständig Busse Aregua – Luque entgegen kamen wähnten wir uns noch auf der richtigen Rute, merkten aber nach ca. 30 Minuten, dass uns der Weg schlicht und ergreifend einmal im Kreis geführt hatte, allerdings hatten wir jetzt den versetzten Teil des Asfalts gefunden auf dem es dann zielstrebig nach Luque und zu unserer neuen Unterkunft im Hause Ruck ging.

Sapucay, Paraguay

Sapucay, gelegen 25° 40′ 0 Südlicher Breite, 56° 55′ 0 Westlicher Länge war der grosse Bahnbetriebshof Paraguays.
Hier wurden bis ins Jahr 1996, dem Datum der Einstellung des regulären Zugbetriebes alle Reparaturarbeiten unter einfachsten Bedingungen ausgeführt.

Als Energiebasis für die gesamte Anlage dienten drei Dampfzugkessel die ihre Kraft über Riemenantrieb und eine zentrale Welle an die einzelnen Maschinen übertrugen.
Wenn man bedenkt, dass die fahrenden Dampflokomotiven zu diesem Zeitpunkt knappe 85 bzw. 35 Jahre alt waren, war dies schon eine beachtliche Leistung.
Die Arbeiten wurden dabei ohne jegliche Schutzkleidung wie Helme, Schutzbrillen, Handschuhe und in der Regel barfuss durchgeführt.

Nach Stillegung des Eisenbahnbetriebes blieb die Werkstatt zunächst noch Jahre offiziell in Betrieb und auch heute werden dort teilweise noch Bronzearbeiten durchgeführt.
Auch manche Lok sieht zwar mittlerweile korrodiert, aber durch abgestellte Ölkännchen wie gerade in Überholung begriffen aus.
Hätte nicht die zunehmende Asfaltierung der Strassen und damit eine Verlagerung des Verkehrs auf Busse und LKWs einen schleichenden Bankrott der inzwischen staatlich betriebenen Eisenbahngesellschaft zur Folge gehabt, würden wohl heute noch mehr als nur ein touristischer Sonderzug auf den Gleisen Paraguays verkehren.
Würde man die Werkstatt heute wieder in Betrieb nehmen wollen wäre dies ohne grösseren Aufwand möglich, da die Maschinen in aller Regel funktionstüchtig sind und vermutlich nur die Dampfkessel repariert werden müssten. Auch die Pläne zum Bau und Reparieren aller Loks und Waggons existieren noch.

Paraguay hatte das längste durchgehende Rasengleisnetz der Welt, allerdings betrug die Höchstgeschwindigkeit hierfür meist nur 25 km/h. Da in weiten Bereichen die Geschwindigkeit, vor allem für die Güterzüge deutlich niedriger war galt die Eisenbahn Paraguays als die einzige, die erfolgreich von Ochsenkarren überholt werden konnte!

Plattfuss in Paraguay

Nein, kein neuer Film mit Bud Spencer sondern die Beschreibung was man hier macht, wenn man mit dem Auto einen Platten hat.

Man fährt in die nächstgelegene Gomeria, einem Service den es in den kleinsten Ortschaften und meist 24 Stunden am Tag gibt und wo man vom Luftaufpumpen über Reifen flicken bis hin zu Gebrauchtreifen alles bekommt.
In unserem Fall war es die „Grossgomeria“ am Ortseingang von Villarica neben dem Palace Hotel.
Grossgomeria, weil sie nicht nur Unmengen von alten Reifen im Angebot hat sondern auch zwei Kompressoren, jeweils mit Vorratsdrucktank.

Also mit einem platten Hinterhuf vorgefahren und sofort springt jemand auf das Auto zu und weist uns mich ein wie weit ich zu fahren habe – schliesslich regnet es und man möchte trocken bleiben.

Ruckzuck ist der Wagen hochgebockt und der Reifen demontiert.
Erstmal Luft hinein und das Loch im Wasserbad gesucht. Ein Riss oder Schnitt, entweder von einer Glasscherbe oder von einem spitzen Stein auf einer unserer Gebirgstouren. Dieses wird markiert, genau wie der Ventilsitz.
Dann schnell von der Felge befreit und den Reifen aufgespannt.

Mit einer Druckluft-getriebenen Feile wird die Oberfläche angeraut, mit Kleber eingepinselt und ein Flicken kommt drauf wie wir es von Fahrradschläuchen kennen.
Dann wieder rauf auf die Felge, Ventil rein und Luft drauf.
Letzte Kontrolle im Wasserbad ob alles dicht ist und gleich ist das Rad wieder montiert.

Gedauert hat es 20 Minuten und gekostet € 1,48 oder 10000 Guarani.
In Deutschland undenkbar, hier unverzichtbar.

Regen

Heute wollten wir einen Bauherren auf seiner Baustelle besuchen und als Biologe sollte ich ihm bei den ganzen Schlangen auf seinem Land sagen welche gefährlich und welche ungefährlich sind. Gegen 15 Uhr wollten wir aufbrechen, worauf aber um 14:30 ein Gewitter aufzog und den lange benötigten Regen brachte. Gut für das Land, weniger gut für uns.
Das Angenehme am Tropenregen ist seine Temperatur. Wenn die Tropfen nicht allzu gross sind geht man einfach gemütlich durch ihn durch und wird zwar nass, aber auch erfrischt. Am heutigen Tag an dem wieder die 40° Marke erreicht wurde eine echte Linderung. Aber auch wenn man trocken bleibt senkt der Regen die Temperatur merklich und dämmt den Schweissfluss ein.

Was macht man dann im Hotel?
Katzenfotos, denn das Hotel-Paraiso müsste eigentlich Paraiso-del-Gato heissen…

Nach Ende des Gewitters sind wir dann aber noch aufgebrochen zum Neusiedler weit draussen im Campo.
Nach dem Begrüssungsbier gab es eine Tour durch den Garten und anschliessend sind wir auf die derzeit ungenutzte Weide um Schlangen zu suchen. Das einzige, was wir fanden war aber ein Schlangenhalsvogel den ich im Flug nicht schaffte scharf abzulichten…

Relativ schnell zogen dann dunkle Wolken, getrieben von starken Windböen heran. Bevor wir in ein erneutes Gewitter geraten, setzten wir uns also wieder unter das Dach und widmeten und weiteren Bieren sowie leckerem Knoblauchbrot (mit doppelter Kraft gegen Vampire!).
Es wurde über alles mögliche geredet und so kam auch eine steinerne Kugel ans Tageslicht, die bei den Bauarbeiten gefunden wurde, vermutlich aus dem Triple-Allianza-Krieg und dort für die Grosskalibergewehre vom Typ der Hakenbüchse verwendet.

Als die Dämmerung hereinbrach machten wir uns dann mit unserer tranfunzeligen Beleuchtung auf den Rückweg über die etwas schlammig-rutschige Erdpiste zum Asfalt. Ein Kilometer der es in sich hat :-)